Ungewöhnliche Lückenbebauung - Wohn- und Geschäftshaus in Köln-Bayenthal

« Zurück zur Beton-Information 2007

Die Kombination aus einer „unbebaubaren“, 5,50 m mal 25 m großen Baulücke und der Experimentierfreude eines Kölner Architekten hat zu einem außergewöhnlichen Gebäude in der Bayenthaler Goltsteinstraße geführt. Auf drei Seiten durch Bauten begrenzt, ist ein Gebäude mit großer räumlicher Abwechslung, Spannung und skulpturaler Qualität entstanden, das nun leuchtend rot zwischen historischen Bauten und über einen Torbogen hinweg hervorlugt. Die Konstruktion besteht aus zwei Teilen, von denen einer alle Regeln erfüllt und den Bebauungsplan einhält, der andere sich hingegen gerade aus der Überschreitung von Grenzen und der Missachtung von Regeln formt. Aufgrund der komplexen Geometrie entstand der Entwurf immer im Dreidimensionalen, die Form wurde im Wesentlichen am Computer und im Dialog mit physikalischen Modellen entwickelt. Die Gründung und die Außenwände sowie alle Decken und die tragenden Innenwände bestehen aus CEM III/A 32,5 N mit 60 kg/m3 Steinkohlenflugasche. Da in der Konstruktion nicht zwischen Außenwänden und Dachflächen unterschieden wurde, gehen die Bauteile nahtlos ineinander über. Aufgrund der meist geneigten Wände und der sehr unregelmäßigen Geometrien konnte dabei nur in sehr geringem Umfang auf fertige Schalsysteme zurückgegriffen werden. Abschließend wurde eine umfassende Beschichtung des Baukörpers vorgenommen, die als Abdichtung fungiert und für einen homogenen Gesamteindruck des Baukörpers sorgt. Da während der gesamten Bauarbeiten der Straßen- und Schienenverkehr in der engen Straße vor dem Haus aufrecht erhalten werden musste, waren beengte Baustellenverhältnisse und nur minimale Lagermöglichkeiten wesentlich für den Bauprozess. Alle Schritte mussten genau geplant werden und erfolgten in enger Abstimmung aller Beteiligten. Entstanden ist ein Gebäude mit hoher räumlicher Qualität und guten Lichtverhältnissen. Durch Atrien und große Deckenöffnungen wird das Licht im Gebäude über drei Ebenen hinuntergeleitet. Zusammen mit etagenhohen Fensterelementen ist so im ganzen Gebäude für gute Belichtung gesorgt und es entsteht trotz der teilweise eher geringen Raummaße ein Eindruck von Großzügigkeit. Außerdem verfügt jede Einheit über eine eigene Außenfläche in Form eines Innenhofs.

Autoren: Manuel Herz, AA Dip. Architektur und Stadtplanung, Zugweg 16, 50677 Köln office@manuelherz.com Jürgen Thören, Bauunternehmen A. Otto & Sohn GmbH, Stixchesstraße 184, 51377 Leverkusen juergen.thoeren@ottobau.de

Artikel herunterladen
Artikel herunterladen